Ein Weihnachtsgedicht von Gunnar Schwarting

Zum Vierten Advent: das Weihnachtsgedicht von Gunnar Schwarting

Fröhliche Weihnachten (Teil 1+2+3+4)

 

Die Mutter schaut entsetzt hinaus,

es ist ja gar kein Baum vorm Haus.

 

Ihr Kopf ist voll mit Weihnachtsessen,

da hat den Christbaum sie komplett vergessen.

 

Sie ruft Karl-Heinz: „Jetzt aber fix,

sonst wird die ganze Weihnacht nix!“

 

„Gemach“, sagt er, „Du wirst schon sehen,

ein Schnäppchen werde ich erstehen."

 

Doch seine Laune ist ganz schnell verflogen,

der Verkaufsstand an der Ecke, er ist abgezogen.

 

Nur Zweige, ein paar Nadeln,

damit kann er nicht nach Hause radeln!

 

Er setzt das Auto in Bewegung,

klappert ab die Nah- und Fernumgebung.


Endlich sieht er einen Baumverkauf,

der hat tatsächlich auch noch auf.


Doch ach, er sieht voll Schrecken,

nur ein paar Bäumchen sich noch recken.


Der eine ist ganz winzig klein,

wird eher so ein Tischbaum sein;


der andere ist riesengroß,

der dritte eher kahl und bloß.


Doch halt, er hat doch Glück,

da hinten glänzt ein wunderbares Stück.


„Eine echte Rarität“,

sagt der Verkäufer, der plötzlich bei ihm steht.

 

Dem Vater ist das nicht geheuer,

die „Rarität“ ist vermutlich ziemlich teuer!


„Und er ist im Preis herabgesetzt,

nur 100 Euro kost‘ er jetzt.“


Noch schnell das Preisschild abgemacht,

damit auch kein Proteststurm sich daheim entfacht.


Kaum ist er mit Baum zur Tür herein,

da ruft die Frau: „Wo mag der Ständer sein?“


Zwei Stunden hat er ihn gesucht,

das ganze Weihnachtsfest x-mal verflucht,


weil er diesen ollen Christbaumfuß

in jedem Jahr so lange suchen muss.


Jetzt muss er nur noch finden,

wie sich Fuß und Baum verbinden.


Das ist zwar leicht gesagt, doch schwer getan.

Entsetzt schaut er den dicken Stamm sich an.


Soll der Baum noch etwas nutzen,

muss er ihn ganz kräftig stutzen.


Mit Beil und Säge geht’s zu Werke,

wo ist nur die alte Stärke?


Vater ist zwar leicht verletzt,

doch den Baum gerade eingesetzt! ***


Nun lassen wir Karl-Heinz in Ruh

und wenden uns nem andren Schauplatz zu: ***


Der Baum, er steht, ist voll geschmückt,

die Oma ist schon ganz verzückt.


Da kommt der Enkel mit der Flöte,

zu jeder Weihnacht gibt’s Getröte.


Die Mutter hält die Partitur,

was von Mozart in C-Dur.


Wolferl wär‘ gewiss empört,

hätt‘ das Geblase er gehört.


Es klingt nur dürr, ja grauenvoll,

die Oma freut sich dennoch toll.


Der Opa ist schon eingenickt,

derweil die Mama stolz auf ihren Filius blickt.


Das Konzert ist jetzt beendet,

der Vater sich zum Geschenktisch wendet.


Zigarren wie in jedem Jahr

Erhält auch jetzt der Opapa.

 

Die Oma kriegt ein neues Pillendöschen,

hübsch verziert mit rosa Röschen.

 

Sie schaut ein wenig säuerlich,

der Vater findet neuerlich


ne Krawatte im Paket,

wo doch die alte ihm noch steht.


Die Mutter blickt gequält:

Ein Kochbuch – als ob ihr da was fehlt.


Der Filius bekommt den Lego-Bauernhof;

er wollte Star Wars – das Landgut ist zu doof.


Es ist wie jedes Mal auch heut‘,

dass nur der Opa sich richtig freut!


Nun geht’s ans Speisen,

Mutter will ihre Kunst beweisen.


Alles wartet eigentlich auf Würstchen und Salat;

doch Mutter was aus China zubereitet hat.


Das Curry-Wok ist sehr pikant und scharf,

was Opa im Grunde gar nicht essen darf.


Der Sohn verspürt so keinen Appetit,

wenn’s doch keine Würstchen gibt.


Die Oma findet’s Essen durchaus interessant –

und schiebt das meiste an den Tellerrand.


Der Vater schwadroniert von Tradition,

die Mutter heult – ich verstehe schon.


Ich hab‘ für Euch mich angestrengt,

Ihr aber habt mich tief gekränkt!


So endet hier das traute Weihnachtsfest,

das für’s nächste Jahr nur Gutes hoffen lässt!


Ach ja, zufrieden ist der Dackel Fridolin,

denn in seinem Päckchen war’n zwei Würstchen drin!