Fairplay gegenüber dem Schiri

17.11.2008: Fairplay gegenüber den Schieris

Liebe Handballfreunde,
ein Großteil meiner Wochenendbeschäftigung besteht u.a. darin, die Hallen in Rheinhessen zu bereisen um mir die darin stattfindenden Handballspiele anzusehen. Das mache ich gerne und es macht mir auch großen Spaß.
Was ich allerdings in den letzten Wochen in den Hallen erleben muss, besser gesagt mir anhören muss, seitens der Trainer, Spieler, Vereinsverantwortlichen und vor allem auch der Zuschauer, hat mit Freizeitvergnügen nichts mehr gemeinsam.
Es geht um das Thema Schiedsrichter. Wir alle können sehr froh und stolz sein, daß wir in Rheinhessen eine hervorragende Aus- und Weiterbildung in unserem Schiedsrichterwesen anbieten können und auch umsetzen. "Jungschiedsrichter" werden oft von älteren, erfahrenen Schiedsrichtern begleitet und unsere Gespannschieds-richter unterliegen einer gut funktionierenden, neutralen Beobachtung, sodaß Korrekturen im gesamten Verhalten stets gegeben sind.
Das alles ist sehr zeit- und kostenintensiv. Es erfüllt uns alle mit Freude, wenn sich unsere Gespanne entwickelt haben und wir sie dann im Fernsehen bei großen Spielen sehen können. Diese Gespanne haben alle in Rheinhessen angefangen und unsere Ligen gepfiffen. Wir bilden die Sportler aus und weiter und geben sie dann in höhere Ligen (RL, 2.+ 1. BL) ab, sobald sie die Kriterien für diese Ligen erreicht haben. Kein Schiedsrichter ist gleich in der Lage eine Spitzenleistung abzuliefern, die eines gestandenen Bundesligaschiedsrichters entspricht.
Viele Nörgler setzen einfach voraus, daß unsere Schiedsrichter Bundesligareife haben müssen, wobei manche Spieler und auch Trainer selbst ihren Leistungsnachweis für die jeweilige Liga in der sie spielen oder trainieren erbringen müssten.
Natürlich gibt es auch Schiedsrichter, die leider nicht die Qualität haben, um " zu höheren  Weihen berufen zu sein". Ich sage es ganz offen und das wissen wir als Verantwortliche vom HVR auch, es gibt eben Schiedsrichter, die sind noch nicht so weit. Vielleicht reicht es nicht mal für die Klasse in der sie pfeifen. Aber ich ziehe meinen Hut vor den Leuten, die sich trotzdem in die Halle stellen und das Spiel leiten, denn was sie an Schimpftiraden, von allen Seiten, bei einer möglichen "falschen" Entscheidung ertragen müssen, hat mit Sport und Fairplay nichts mehr gemein. Es wird alles getan, um die Sportkameraden/-innen noch mehr zu verunsichern.

Ganz besonders schlimm ist die Entwicklung bei Jugendspielen zu beobachten, wie sich Eltern über die Leistung der Schiedsrichter  ausfallend äußern und aufregen.
Meine große Bitte richte ich an alle Spieler (übrigens geht von den Sportkameraden/-innen noch die geringste Kritik aus) Trainer, Vereinsverantwortlichen und auch Zuschauer, sich in ihren Äußerungen mehr zu disziplinieren. Ich würde es auch begrüßen, wenn man den Mut hätte, einmal nett und freundlich mit einem Zuschauer zu sprechen, der seinen Unmut allzu zügellos freie Bahn läßt.
Zuschauer dürfen weiterhin kritisieren, es soll auch weiterhin Stimmung in der Halle sein, keine Frage das ist alles oK, aber es darf nicht zur "Treibjagd" werden. Schiedsrichter sind kein Freiwild. Die am lautesten schreien, lade ich gerne zu einem Schiedsrichterlehrgang beim HVR ein. Niemand macht bewußt und gerne Fehler, kein Schiedsrichter pfeift bewußt und gerne  gegen die Regel oder eine Mannschaft oder einen Verein. Ich selbst habe 20 Jahre lang gepfiffen und kenne das "Geschäft" mit all seinen guten und schlechten Zeiten und Seiten.
Machts den Leuten nicht schwerer als es ist, verhaltet euch sportlich fair und werbt in euren Vereinen und unter euren Zuschauern zur Ausbildung zum Handball-Schiedsrichter. Gebt aber auch den Leuten eine Chance sich zu entwickeln. Bei der Vielzahl von unbegründeter Kritik, werden wir es nicht schaffen, junge Leute, viele Sportler und Sportlerinnen für das Pfeifen zu gewinnen. Wir brauchen unsere Schiedsrichter, sie gehören zu unserer Sportart dazu und sind unsere Sportkameraden/-innen. So viele Fehler kann niemand machen, daß ich als "die bessere Mannschaft" ein Spiel verliere.
Wir im Handballsport waren immer  glücklich und froh, daß wir u.a. auch das "etwas andere Publikum" hatten/haben und der Sittenverfall, die Unsportlichkeiten und Häßlichkeiten auf und in anderen Sportstätten leider stattfindet, was ja mit Sport nicht im Geringsten zu tun hat.
Packen wir es alle an und besinnen uns für die restlichen Spiele im Jahr 2008 der sportlichen Tugenden und lassen uns nicht leiten von haßerfüllten Wutausbrüchen und von beleidigenden verbalen Schreiereien, denn das alles hat  keinen Platz bei der schönsten Nebensache der Welt.
In diesem Sinne grüße ich Sie sehr herzlich mit einem besonders großen Fair-Play, bis zum nächsten Spiel

Klaus Kuhn
Präsident des Handball-Verband-Rheinhessen